Diffusionsoffen bauen

diffusionsoffen - diffusionsfähig - diffusionsdicht

Haus diffusionsoffen bauen - mit einem wasserdampfdurchlässigen Wandaufbau

Ein Wandaufbau bzw. eine Konstruktion, die diffusionsoffen, also wasserdampfdurchlässig ist, kann das Raumklima und damit die Wohngesundheit positiv beeinflussen. Ein Haus, das in Holzständerbauweise errichtet und mit einem natürlichen Dämmstoff wie z.B. einer Holzfaserdämmung gedämmt ist, kann ein hohes Maß an Diffusion ermöglichen.

Doch was genau versteht man darunter und warum muss trotz einem diffusionsfähigen Wandaufbau bei den allermeisten Häusern aufgrund der hohen Dichtheit Fensterlüftung betrieben oder gar eine Lüftungsanlage eingebaut werden?

Was ist Diffusion und wie funktioniert die Abführung von Wasserdampf bei einem Haus?

Durch Duschen, Kochen und Schwitzen produziert ein 4-köpfiger Haushalt bis zu 10 Liter Wasserdampf am Tag. Der gasförmige, trockene Wasserdampf erzeugt einen entsprechenden Dampfdruck, aus dem sich die relative Luftfeuchtigkeit ergibt. Ist die Menge an Wasserdampf im Haus höher als außen, besteht also innen ein höherer Dampfdruck als außen. Ist ein Haus diffusionsoffen gebaut, kann je nach Wandaufbau eine geringe oder größere Menge an Wasserdampf über die Außenflächen abgeführt werden.

Wie hoch der Diffusionswiderstand eines Baustoffs gegenüber einer 100 cm starken Luftschicht ist, sagt die Dampfdiffusions-Widerstandszahl (µ-Wert) aus. Je kleiner dieser ist, desto leichter und damit umso schneller kann der gasförmige, trockene Wasserdampf durch einen Dämmstoff (z.B. Wände und Decken) hindurch diffundieren. PE-Folien, die häufig als Dampfbremse verwendet werden, verfügen z.B. über einen SD-Wert von über 100.

Reicht es aus wenn ein Haus diffusionsoffen gebaut ist?

Fachleute sagen, dass bei einem SD-Wert von über 1,0 ein ausreichender Abtransport von Wasserdampf nur durch einen Luftaustausch sichergestellt werden kann. Der Begriff "diffusionsoffen" selbst sagt also nichts über die Menge an Wasserdampf, die über natürliche Prozesse aus dem Haus entweichen kann, aus, sondern lediglich über eine generelle Eigenschaft des Wandaufbaus. Ein Indiz dafür ist, dass trotzdem eine Lüftungsanlage für das Haus empfohlen wird oder der Wandaufbau über eine Holzwerkstoffplatte verfügt.

Diffusionsoffen und tauwasserfrei

Gefahr für die Wandkonstruktion und die Dämmstoffe eines Hauses: der Taupunkt

Ältere Häuser verfügen über keine hohen SD-Werte. Der Wandaufbau ist in der Regel gering, entsprechend niedrig ist auch die Wärmedämmung. Der Wasserdampf kann durch die warmen Innen- und Außenwände, ohne zu kondensieren, als trockenes Gas diffundieren. Hausbesitzer solcher Häuser bezahlen diesen "Komfort" mit entsprechend hohen Heizkosten.

Problematisch wird die Wasserdampfdiffusion, wenn das Haus gleichzeitig durch Dämmstoffe gut wärmegedämmt ist. In diesem Fall ist im Winter die Innenwand warm und die Außenwand entsprechend kalt. Da warme Luft mehr Wasserdampfgas aufnehmen kann als kalte Luft wandert der Punkt, an dem der gasförmige Wasserdampf von seinem trockenen Zustand in den flüssigen Zustand übergeht, in das Wandinnere. Die Folge solcher Baumängel können später auftretende Bauschäden und Befall mit Schimmelpilz sein.

Welche baulichen Maßnahmen verzögern die Diffusion?

Um die Menge an Wasserdampf, die durch die Wand im Normalfall diffundieren würde zu reduzieren, wird auf sogenannte Dampfbremsen oder Dampfsperren zurückgegriffen.

Folien oder OSB-Platten bremsen Diffusion

Als Kunststofffolie oder in Form einer OSB-Holzplatte verlangsamt diese Dampfbremse oder Dampfsperre gerade bei Häusern in Holzständerbauweise durch ihren hohen SD-Wert den Prozess der Diffusion. Es gelangt nur noch eine geringe Menge an Wasserdampf durch den Wandaufbau nach außen, womit die Gefahr eines Tauwasserausfalls innerhalb der Gebäudehülle verringert werden soll. Zudem soll u.a. durch diese Maßnahmen eine besonders luftdichte Bauweise erreicht werden.

Natürliches Holz kann nahezu dampfdicht sein

Zwischenzeitlich werden auf dem Markt auch sogenannte "Vollholzhäuser" ohne Dampfsperre angeboten. Hier fungiert der massive Wandaufbau aus Holz selbst als Dampfbremse und verhindert damit weitestgehend die Diffusion, denn bei entsprechender Materialstärke und Trockenheitsgrad kann Holz selbst über einen sehr hohen SD-Wert verfügen.

Unschädlicher Tauwasserausfall

Im Norden Deutschlands weit verbreitet sind sogenannte hinterlüftete Fassaden, bei denen ein Tauwasserausfall im Winter einkalkuliert ist. Die dabei zur Anwendung kommende DIN-Norm 4108-3 besagt, dass bei einem Tauwasserausfall von 1 Liter auf die Fläche von 1 m² von einer "unschädlichen Menge an Tauwasserausfall" gesprochen werden darf und Bauschäden damit nicht eintreten.

Dampfbremse, Dampfsperre und OSB/Holzwerkstoffplatte

Welche Baustoffe eignen sich für ein wasserdampfdurchlässiges Bauen?

Viele Faktoren fließen in die Auswahl eines geeigneten Baustoffs für den Hausbau ein. Neben der Wärmeleitfähigkeit und der Temperaturleitzahl sagt der Dampfdiffusionswiderstand etwas über den Widerstand eines Baustoffs gegenüber der Dampfdiffusion aus.

Einen besonders niedrigen Diffusionswiderstand besitzt ein natürlicher Baustoff auf Holzbasis wie Holzfaser und Zellulose. Diese Materialien zur Wärmedämmung können den Feuchtehaushalt der Raumluft maßgeblich positiv beeinflussen. Auch die benötigte Energie bei der Herstellung ist im Vergleich zu einem künstlich hergestellten Baustoff deutlich geringer. Weitere Vorteile ergeben sich auch im Bezug auf den Brandschutz: Während eine chemisch hergestellter Dämmstoff abtropfen und schmelzen kann, ist ein Dämmung aus Holzfasern aufgrund der hohen Rohdichte und einer Verkohlungsschicht auch hier deutlich im Vorteil.

Phasenverschiebung: Diffusionsoffenheit gepaart mit sommerlichem Wärmeschutz

Natürliches Dämmmaterial wie Zellulose und Holzweichfaser verfügt über ein hohes Wärmespeichervermögen, was sich positiv auf den sommerlichen Wärmeschutz auswirkt. Die hohe spezifische Wärmekapazität einer natürlichen Dämmung bringt eine entsprechend hohe Phasenverschiebung mit sich. Sie gibt an, mit welcher zeitlichen Verzögerung die Wärme von der Außenseite eines Baustoffs an der Innenseite ankommt.

Dämmung mit Zellulose und Holzweichfaser

"Feuchtigkeit soll durch atmende Wände entweichen"

Da die Diffusion in keinem Zusammenhang mit Sauerstoff steht und Wasserdampf ein trockenes Gas ist, deuten Aussagen dieser Art auf ein geringes physikalisches Grundverständnis hin. Ein Baustoff kann schlichtweg nicht atmen.