Ökologisches Passivhaus

Dank Haus-im-Haus-Prinzip ohne Lüftungsanlage bauen

Ökologisches Passivhaus bauen: Mittels Haus-im-Haus-Prinzip schlägt die Natur aufwändige Technik

Klaus Becher erzählt, warum ein konventionelles Passivhaus bauen für ihn nicht in Frage kam und wie er das Problem Wasserdampf anders löste und damit auf gesundheitsgefährdende Lüftungsanlagen beim Bau seines ökologischen Hauses verzichten konnte.

Pullover aus Bio-Baumwolle, Gemüse vom örtlichen Landwirt und ein Auto mit geringen CO2-Emissionen: Die Bundesbürger surfen auf der grünen Welle, und in immer mehr Lebensbereichen sind heute Umweltbewusstsein sowie Nachhaltigkeit zu zentralen Themen geworden. Dies gilt vor allem für das eigene Zuhause, in dem wir viel Zeit verbringen und in dem wir deshalb auf wohngesunde, natürliche Baustoffe und einen umweltverträglichen Lebensstil besonderen Wert legen. Doch bei all den Passivhaus-, Niedrigenergiehaus- oder Fertighaus-Angeboten auf dem Markt fällt es schwer, den Überblick zu behalten und exakt zu bestimmen, was genau eigentlich ökologisch zu bauen bedeutet. Sind Niedrigenergiehäuser und Passivhäuser automatisch ökologisch nur, weil Sie durch eine starke Wärmedämmung wenig Energie verbrauchen? Ist nur ein Haus mit Zertifizierung ökologisch wertvoll? Muss der neue Eigenheimbau den Anforderungen der KfW für Effizienzhäuser entsprechen?

Wenig Technik - viel Natur

Klaus Becher, der Erfinder des vielfach ausgezeichnetes Bio-Solar-Hauses, hat nützliche Tipps parat, wie man gesund bauen und wohnen, die Umwelt schützen und dabei noch dauerhaft bares Geld sparen kann. "Selten wird ein Begriff so vielfältig interpretiert wie der des ökologischen Bauens. Für mich heißt ökologisch schlicht und einfach menschenfreundlich sowie umweltgerecht. Das Menschenfreundlichste wiederum ist für mich auch das Natürlichste. Daher lautet mein Motto beim Bauen 'Zurück zur Natur' und Verzicht auf hochgezüchtete Maschinen und künstliche Baustoffe", erklärt der gelernte Diplom-Ingenieur für Maschinenbau aus St. Alban.

Ökologische Passivhäuser im Musterhauspark St. Alban

"Kein Passivhaus bauen"

Weil er weder ein Niedrigenergie- noch ein Passivhaus bauen wollte, beschäftigte er sich intensiv mit Bauphysik. Das Ergebnis war das "Haus-im-Haus-Prinzip". Mit seiner Hauserfindung macht er sich selbständig und sein Unternehmen, das inzwischen sein Neffe Hubert Becher führt, baut Bio-Solar-Häuser für Bauherren in ganz Europa. Der Erfinder selbst genießt seinen Lebensabend in seinem Traumhaus im Sonnenpark St. Alban. Ein Bio-Solar-Haus soll ein Beispiel sein für Visionen vom Wohnen und Leben im Einklang mit der Natur: gesund, bequem, wartungsarm, umweltschonend, kostensparend, mit höchstem Wohnkomfort und vor allem bezahlbar.

Keine Wohnraumlüftung wie sie Passivhäuser besitzen

"Mir ist es wichtig, frei und unabhängig von Gesundheitsrisiken, Maschinen, Heiz- sowie Wartungskosten zu sein. Zudem soll mein Haus ein gutes Wohnklima haben, damit ich mich darin auch wirklich wohlfühlen kann", macht Becher deutlich. Bei seinem Bio-Solar-Haus greift er zurück auf Baustoffe aus Holz, wie z.B. Holzfaser und Zellulose, als den natürlichsten aller Baustoffe bei seinem Bio-Solar-Haus zurück, holt sich möglichst viel Licht, Luft und Sonne in die eigenen vier Wände und verzichtet bewusst auf jegliche komplizierte Haustechnik. "Komplizierte Haustechnik aktueller Passivhäuser wie z.B. eine Wärmepumpe oder eine Wohnraumlüftung verursacht Stress und Kosten, weil sie oft nicht funktioniert und zudem regelmäßig gewartet werden muss", weiß der clevere Tüftler. Deshalb kamen auch alle gängigen Energiesparhäuser wie z.B. ein Niedrigenergiehaus oder verschiedene Passivhaus-Modelle, die aufgrund ihrer wasserdampfdichten Haushülle eine Lüftungsanlage brauchen, für Becher nicht in Frage. "Ich will in mein Bio-Solar-Haus keine künstliche Wohnraumlüftung wie in einem Passivhaus bauen."

Haus-im-Haus statt "Thermoskannenprinzip" wie bei einem Passivhaus bauen

Gemäß dem Haus-in-Haus-Prinzip erwärmt eine teilweise verglaste Gebäudehülle durch das großzügig einfallende Tageslicht den Gebäudemantel des Innenhauses. Dieser ist zwar wärmegedämmt, aber diffusionsoffen, sodass der in den Wohnräumen entstehende Wasserdampf durch die Wände in das Luftpolster zwischen Außen- und Innenhaus entweicht. Der natürliche Auftrieb führt ihn schließlich über das Dach ins Freie", erklärt der pfiffige Erfinder. Damit stellt sich ganz ohne maschinelle Einrichtungen, in deren Filter und Lüftungskanälen sich Schadstoffe oder Bakterien bilden können, ein behagliches, natürliches Raumklima ein.

Wirtschaftlichkeit trifft Effizienz: Hausbau energiebewusst gelöst

Auch bei der Heizung setzt Becher auf Natürlichkeit, indem er für die wenige benötigte Energie die kostenlos und unbegrenzt zur Verfügung stehende Kraft der Sonne nutzt. Ein Sonnenkollektor (thermische Solaranlage oder Photovoltaik) auf dem Dach leitet die Energie an einen großen Warmwasserspeicher im Bio-Solar-Haus weiter, der das feuchte Element zum Baden, Waschen und Duschen sowie für die Heizung bereitstellt. Liefert in der kalten Jahreszeit die Sonne einmal nicht genug Energie, erzeugt ein wassergeführter Holzofen die Wärme für den Pufferspeicher. "Gesund ist auch das Wärmeverteilsystem, denn eine Decken- und Wandheizung erwärmt die Bewohner so angenehm wie Sonnenstrahlen und sorgt damit für eine besondere Behaglichkeit über die gesamte Wohnfläche - ganz ohne Zugluft wie bei einem Haus mit Lüftungsanlage", betont Becher. Sein umweltfreundliches, verbrauchsarmes und wohngesundes Bio-Solar-Haus-System lässt sich auch kostensparend als Selbstbauhaus oder Ausbauhaus bauen, was die Baukosten beim Eigenheimbau nochmal deutlich reduzieren kann.

Musterhäuser zum Probewohnen statt nur zum Besichtigen

Weil sich sein Hauskonzept doch erheblich von den üblichen Angeboten unterscheidet, kam Becher die Idee, einen Musterhauspark zu errichten, in dem man Musterhäuser nicht nur besichtigen, sondern auch in ihnen zur Probe wohnen kann. So entstand der Sonnenpark St. Alban mit zwischenzeitlich 9 Häusern.

Förderung als Effizienzhaus über die KfW

Doch auch aus finanzieller Sicht lohnt sich ein Bio-Solar-Haus: Die KfW-Bank fördert den Eigenheimbau eines Bio-Solar-Hauses als Effizienzhaus 55 und 40 über das Programm 153 mit zinsgünstigen Krediten sowie einem Tilgungszuschuss von bis zu 10.000 Euro. Auch die Ausführung als ein nahezu energieautarkes Nullenergiehaus oder sogar Plusenergiehaus bietet das Unternehmen zwischenzeitlich an.